Begegnungsreise in Peru (Teil 1)

Vom 9.-24.4.2016 bin ich als Mitglied einer Delegation des CVJM Deutschland nach Peru gereist.

Mein besonders Interesse galt den Projekten, die der CVJM Osnabrück unterstützt. Davon möchte ich hier schwerpunktmäßig berichten. Vorweg sei erwähnt, dass in Peru ein deutscher Bruderschaftssekretär und 11 deutsche Volontäre (7 in Lima, je 2 in Arequipa und Trujillo) für den YMCA Peru arbeiten.

Am dritten Tag erhielten wir eine Einführung über die sozialen Projekte des YMCA Peru per Power Point Präsentation von der Leiterin der Abteilung Rocio, bevor wir nach Indepedencia fuhren.

Lima ist eine Stadt, die in den letzten Jahrzehnten vor allem durch den Zuzug der Landbevölkerung enorm gewachsen ist. Viele auf dem Land sehen im Fernsehen Bilder von einer modernen Stadt und machen sich auf den Weg – um dann zu erleben, dass nicht alles Gold ist was glänzt. Independencia ist ein Stadtteil, in dem sich viele dieser Zugezogenen niedergelassen haben und nun in kleinen Hütten leben. Bis vor einigen Jahren gab es in diesem Stadtteil fast kein fließend Wasser und keine Elektrizität. Inzwischen ist einiges an Infrastruktur verbessert worden, dennoch ist die Armut noch sehr präsent.

Peru2

CEDIN, übersetzt: „Zentrum für ganzheitliche Entwicklung in der Frühkindphase“, prangt über dem Haus in Indepedencia. Stolz zeigte man uns den medizinischen Behandlungsraum und den Therapieraum für Eltern und Kinder. Danach gingen wir in den Gruppenraum mit kleiner Küche, in denen uns Frauen von ihren Leben und deren Veränderungen durch den YMCA berichteten. Sogar der Ortsbürgermeister war gekommen, um uns für unsere Hilfe zu danken. Wichtig bei allen Projekten ist, dass immer alle Beteiligten professionelle psychologische Unterstützung erhalten.

Peru3

Seit vielen Jahren gestaltet der YMCA hier Programme für Frauen. In diesen geht es darum, dass Frauen lernen, mit ihrer Armut umzugehen, ihren Selbstwert zu entdecken und Möglichkeiten finden, ihrer Armut entgegenzuwirken. So lernen sie zum Beispiel Handarbeiten und werden darin geschult, ein kleines Geschäft aufzumachen, von denen es in Lima sehr viele gibt. Entweder als Straßenverkaufsstand oder als sehr kleine Läden.

Mittlerweile hat sich der Stadtteil Independencia gut entwickelt (u. a. Elektrizität und eine Infrastruktur), dass der YMCA Peru plant, sich innerhalb der nächsten Jahre aus diesem Teil Limas zurückzuziehen und das Projekt in die Regie der Kommune zu übergeben. Gleichzeitig werden jetzt schon zwei neue Zentren in den „neuen“ Armenvierteln von Sucor und Rimac aufgebaut.

Danach ging es in die Nähwerkstatt. Die Frauen in einer Nähwerkstatt haben es geschafft, sich selbständig zu machen. S.U.S.A.C. heißt ihr Unternehmen. Vor Jahren haben sie Programme des YMCA besucht und in diesen gelernt zu nähen. Inzwischen haben acht Familien zusammen eine eigene Firma gegründet, die Bekleidung produziert. Auch sie haben uns von ihrer Arbeit und der Zusammenarbeit mit dem YMCA erzählt.

Peru4

Ein weiteres Projekt des YMCA Peru ist die „Crecemos felices“. Der YMCA Peru hat einen großen Arbeitsbereich mit Sozialprojekten. „Crecemos felices“ ist ein Projekt in diesem Bereich und der Name bedeutet „Glücklich aufwachsen“. Ich habe schon davon berichtet, dass es in Peru viele kleine Geschäfte gibt. Dazu gehören auch viele Straßenverkäufer. Manche fahren mit einem kleinen Stand durch die Gegend, andere wiederum haben ihre Verkaufssachen in der Hand und gehen im Stau oder an einer roten Ampel an den Autos vorbei und bieten Politur, Popcorn, Zeitungen … an. Oder putzen die Scheiben. Das ist für viele Familien ihr Einkommen und viele Eltern nehmen ihre Kinder am Nachmittag mit zu ihrer „Arbeit“.

Peru5

Familie hat in Peru eine andere Bedeutung als bei uns in Deutschland und so wollen die Eltern ihre Kinder einfach bei sich haben und nicht alleine zu Hause. An diesem Punkt hat der YMCA mit dem Programm „Crecemos felices“ angesetzt. Nachmittags können die Kinder in den YMCA kommen, ihre Hausaufgaben machen, an Spielprogrammen und Workshops teilnehmen und Sportmöglichkeiten nutzen. Es ist aber kein offenes Angebot für alle, sondern man muss für das Programm sozusagen registriert sein. Deswegen gibt es Aufnahmeverfahren, in dem es psychologische Untersuchungen und Gespräche mit der Familie gibt.

Peru6

So lange die Kinder am Programm teilnehmen, sind die Mitarbeiter auch in intensivem Kontakt mit den Eltern. Ergänzend zu diesem Programm gibt es eines, das Familien Mikrokredite vergibt. Das ermöglicht ihnen zum Beispiel, ihr Geschäft anzumelden und zu legalisieren, sich vielleicht einen Stand zu kaufen.

Bei diesem Besuch hat mich vieles begeistert: Die Herzlichkeit der Mitarbeitenden, die ganzheitliche Sicht auf die Menschen und die Familien, die Visionen, die strahlenden Gesichter der Kinder und drei unserer Freiwilligen in diesem Programm im Einsatz zu sehen. Sie haben gerade mit den Kindern die Geschichte der Emmausjünger in Bildern festgehalten.

Teil 2 meiner Begegnungsreise und die Berichte über unsere Besuche der Projekte im YMCA Arequipa und Trujillo folgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*