Begegnungsreise in Peru Teil 2 ( Trujillo und Arequipa)

Am 10. Tag hat sich unsere Gruppe getrennt. Ein Teil flog nach Trujillio, 5 andere Teilnehmer und ich nach Arequipa.

Trujillo ist die Hauptstadt der Region La Libertad und mit rund 709.566  Einwohnern der zweitgrößte Ballungsraum in Peru. Sie ist die wichtigste Stadt Perus nördlich von Lima und befindet sich 560 km von dieser entfernt.

Hier ein Bericht von Claudia Kuhn aus Trujillo:

Trujello1

„Der YMCA hat in Trujillo ein Gebäude im Stadtteil Milagros, der etwa 20 Minuten vom Zentrum entfernt ist (je nach Verkehrslage auch mal 40 Minuten). Dort haben wir am Vormittag des Besuchstages die Jugendlichen vom Club de Emprendedores getroffen. Sie haben uns so lieb empfangen! Der Raum war geschmückt und sie haben ein tolles Programm vorbereitet, mit kulturellen Tänzen und Infos zu ihren Aktivitäten.

Nach diesem Programm sind wir mit den beiden Leiterinnen des Programms, Julissa und Pilar, durch den Stadtteil gefahren. Laufen konnten wir nicht, sie sagten, das sei zu gefährlich. Wir haben einige Jugendliche mitgenommen, die nach Hause mussten, damit sie nachmittags rechtzeitig in die Schule kommen.

In diesem Stadtteil von Trujillo gibt es große Müllberge und viele Familien verdienen ihr Einkommen mit der Arbeit auf diesen. Oder sie recyceln den Müll zu Hause. Wir sind an einigen dieser Orte vorbeigefahren und sogar in eine Deponie hinein.

Der eindrücklichste Moment an diesem Nachmittag war, dass eine Jugendliche uns ihr zu Hause gezeigt hat. Ihre Familie besitzt ein großes Gelände. In der Mitte war ein Müllberg aufgeschüttet, der Müll wird von einem Laster gebracht. Die Familie sortiert dann den Müll und recycelt ihn. Das ist ein Einkommen. Da das aber nicht ausreicht, halten sie noch Tiere auf dem Gelände, Schweine, Schafe, Hühner und 22 Hunde.

Trujello2

Es sind Lebensumstände, wie sie sich bei uns in Deutschland keiner vorstellen kann. Aber hier sind sie für viele Realität. Und dennoch sagte die Mutter zum Abschied, dass wir wiederkommen sollen und sie uns dann zum Essen einladen möchte. Dafür würden sie sogar ein Schwein schlachten, was sie für sich selbst nicht machen, sondern sie immer verkaufen.“

Arequipa ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region Arequipa im Süden des südamerikanischen Anden-Staates Peru und stellt das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des südlichen Perus dar. Die Stadt hat 844.407 Einwohner (2012). Arequipa liegt 1000 km südlich von Lima auf über 2.300 m Höhe. Beherrscht wird die Stadt durch die Vulkane in der nahen Umgebung, den 5822 m hohen kegelförmigen Misti, den 6057 m hohen Chachani und den kleineren und entfernteren Picchu Picchu.

In Arequipa haben wir auch den YMCA besucht, der im Vorort Horacio liegt. Dort wurden wir von den beiden Leiterinnen, einer Ärztin und einer Psychologin, empfangen und rumgeführt. Wir besichtigten das Gesundheitszentrum mit 2 Behandlungsräumen und einer Apotheke. Für 1 Sol (0,26 €) Eigenanteil werden dort die Menschen behandelt. Die Ärztin berichtete, dass die Hauptprobleme bei den Kindern Lungen-, Magen-Darm- und Hauterkrankungen sind. Aber auch Krankheiten der Zähne sind sehr häufig, da das Wasser schädliche Mineralien enthält. Aber eine zahnärztliche Versorgung im YMCA existiert leider nicht.

Krankenhaus1

Krankenhaus2

Dann durften wir den Speiseraum mit der angeschlossen Küche und den Therapieraum für die Kinder ansehen. Danach ging es in die Strickwerkstatt Qilly. Die Strickwerkstatt ist mittlerweile selbständig und ernährt 22 Familien. Qilly arbeitet nur mit Baby Alpaka Wolle und stellt ihre Ware nur auf Auftrag her.

Naehwerkstatt

Nach dem herzlichen Empfang durch die Mitarbeiterinnen von Qilly und einer Vorstellung der Strickwerkstatt, haben die beiden Volontärinnen Laura und Miriam eine Andacht über „Spuren im Sand“ gehalten. Diese Andacht sollte für unsere Reisegruppe noch sehr real werden. Am Ende wurden mehrere Füße verteilt, in dem die „Qilly Frauen“ ihre Wünsche reinschrieben. Jeder von uns hat dann einen Fuß erhalten und ihn mit nach Hause genommen. Ich habe einen orangen Fuß mit nach Osnabrück gebracht, in dem die Wünsche von Gregoria, Rocio und Beatyiz stehen. Mittlerweile war es Mittag und einige Kleinkinder und deren Mütter kamen zum Mittagstisch. Eine Mutter hat sich herzlich bei und bedankt, denn ohne unsere Unterstützung wäre sie nicht in der Lage, ihr Kleinkind gesund zu ernähren. So kann sie für 1 Sol (0,26 €) für jedes Essen ihre Tochter gesund ernähren. Als Dankeschön haben die Kinder jedem von uns ein Bild mit ihren Fotos und Handabdrücken geschenkt.

Fuesse

Am Nachmittag erwartete uns ein buntes Programm, bei dem viel getanzt wurde. Ca. 60 Menschen jeglichen Alters waren gekommen. Die Kleinkinder- und Kindergruppe tanzten in bunten traditionellen Kostümen, während die Jugendlichen Hip Hop darboten. Diese Gruppe hat sogar schon Preise gewonnen. Natürlich wurde auch viel von der Arbeit des YMCA Arequipa erzählt und Recreaciones veranstaltet.

Kostueme

Nach diesen bewegenden Begegnungen waren wir abends zu einen typischen peruanischen Abendbrot bei den Gasteltern der deutschen Volontäre eingeladen.

Fazit: Peru ist ein Land mit sehr vielen Gegensätzen. Der Unterschied zwischen arm und reich ist enorm. Da es in diesem Land keine Spendenkultur gibt, ist der YMCA Peru auf die Spenden ausländischer Spender angewiesen, um die sozialen und medizinischen Projekte realisieren zu können. Und ich kann sagen, dass unsere Spenden gut angelegt sind. Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, dass es in jeder Einrichtung auch eine psychologische Betreuung gibt.

Wir sind überall herzlich und freundlich empfangen worden. Diese Menschen meinten es auch so. Doch diese wunderschöne, bewegende und emotionale Reise endete leider tragisch.

Die „Spuren im Sand“ aus der Andacht von Laura und Miriam in Arequipa wurden am letzten Morgen für unsere Reisegruppe real. Am frühen Morgen des Abreisetages haben wir leider erfolglos eine Mitreisende reanimiert. Nur knappe 3 Stunden später mussten wir zum Flughafen. Es war eine entsetzliche Heimreise, die, neben der enormen psychischen Belastung durch den plötzlichen Tod von Wieckie, für mich wegen einiger Verspätungen und Umleitungen erst nach fast 36 Stunden in Osnabrück geendet hat.

Wir haben Wieckie am 17.5. in Iserlohn zu Grabe getragen. Sie wurde nur 49 Jahre alt.

 

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