Jugendcamp 2021

Als der Bus vom Parkplatz an der Knollstraße rollt, kann ich es immer noch nicht fassen, dass wir tatsächlich auf Jugendfreizeit fahren!

Denn das ganze Unternehmen drohte in den Monaten zuvor ständig zu scheitern und war deshalb eigentlich nicht planbar.

Doch nun sitzen wir alle frisch negativ getestet im Bus und sind guter Stimmung. Denn nichts kann jetzt mehr die Fahrt aufhalten – hoffentlich.

Dazu dienen auch die medizinischen Masken, die wir während der gesamten Busfahrt 21 Stunden lang tragen müssen. Sie schränken zwar den Komfort der Reise ein wenig ein, aber sie verhindern nicht die Vorfreude auf wundervolle gemeinsame Tage in der Sonne in Kroatien.

Während ich mich langsam entspanne, wandern meine Gedanken zurück:

Als wir vor einem Jahr die Freizeit absagen mussten, hatte niemand von uns eine Idee, wie eine Freizeit unter Corona-Bedingungen durchführbar sein könnte. Trotzdem hatten wir uns dazu entschlossen, die nächste Fahrt sofort zu buchen – in der verrückten Hoffnung, dieses Jahr trotz Pandemie fahren zu können.

Was folgte waren dann leider sehr ungewisse Monate. Denn in der dritten Welle hatte niemand von uns Hauptamtlichen damit gerechnet, dass wir am Ende wirklich fahren können. Aufgrund der guten Rücktrittsbedingungen des Reiseveranstalters haben wir aber erst einmal an unserem Plan festgehalten.

Aber selbst beim Rückgang der Inzidenzwerte blieb die entscheidende Frage, wie die einzuhaltenden Auflagen ausfallen würden. Denn eine Freizeit mit Masken und Kohorten hätte ja keinen Sinn gemacht.

Aber auch sonst war der Weg zur Freizeit steinig. Sich mit unserem Team nur online treffen zu können, war hinderlich.

Dann kam die Nachricht des Anbieters, dass das vorgesehene Zeltlager auf der Insel zu wenig gebucht worden ist. Das bedeutete: Wir mussten uns für ein anderes Ziel entscheiden. Dabei haben wir uns – Gott sei Dank –  wieder für Kroatien entschieden. Denn wenn wir Spanien als Reiseziel gewählt hätten, wäre die Freizeit aufgrund der hohen Fallzahlen dort nach wenigen Tagen zu Ende gewesen.

Als nächstes musste eine der dringend benötigten weibliche Betreuerin krankheitsbedingt absagen und als auch noch das Küchenteam schrumpfte, stand mit einem Mal wieder alles auf der Kippe – wenn auch diesmal nicht wegen Corona. Zum Glück haben wir aber mit unseren drei 18jährigen „Halb-Betreuerinnen“ schnell eine Lösung finden können, die sich auf der Freizeit großartig bewährt hat. Vielen Dank für euren Einsatz, liebe Amelie, Hanna und Leah!

Nun sitzen wir also mit 43 Personen im Bus und fahren nach Süden – also dorthin, wo unser dreiköpfiges Vorteam schon seit gestern ist.

Leider können wir nicht direkt fahren, weil in Bielefeld und Frankfurt noch weitere Jugendliche in den Bus steigen, die ihre Ferien im Nachbarcamp verbringen werden. Doch nach langen 21 Stunden kommen wir am nächsten Morgen endlich auf dem riesigen Campingplatz Lanterna an. Zum Glück empfängt uns unser Vorteam mit einem schönen Frühstück, bevor wir die Zelte verteilen und uns häuslich einrichten.

Wie immer macht allen die ungewohnte Wärme und Luftfeuchtigkeit nach der langen Reise zu schaffen. Doch schnell wird deutlich, dass unser Zeltplatz viel Baumschatten bietet, unter dem es sich gut aushalten lässt. Dazu noch die erste Dusche im hochmodernen Waschhaus, das fast stündlich von fleißigen Frauen gereinigt wird, und wir fühlen uns langsam wieder wie Menschen.

Am Nachmittag steht ein Strandbesuch für alle auf dem Programm. Die Badestelle ist leicht erreichbar. Nur fünf Minuten über den Campingplatz und wir sind da. Das Wasser ist klar und sauber und der Kies mit Wasserschuhen gut zu begehen. Und sogar einen Anleger zum Springen gibt es, was unsere Jungs – natürlich unter Aufsicht – sofort ausprobieren.

Nach dem warmen Abendessen tragen die schönen Kennlernspiele zur Stärkung der Gemeinschaft bei. Und die Abendandacht ist am Ende eines sehr langen Tages (wenn man – so wie ich – die Busfahrt mitzählt) der willkommene Abschluss des ersten Tages. Danach freuen sich alle auf ihr warmes Zelt und die Matratze zum Schlafen.

Durch die Mischung aus festen Programmpunkten (drei Mahlzeiten, Bibelarbeiten, Spieleabende und Andachten) und den freiwilligen Angeboten bzw. der Zeit zum Chillen, wachsen auch diesmal innerhalb der ersten Tage die vielen kleineren Gruppen zu einer größeren Einheit zusammen.

Die tollen Workshops, die unsere Betreuer:innen anbieten, tragen wesentlich dazu bei, wenn sie in unterschiedlicher Zusammensetzung Spikeball spielen oder mit den Teilnehmenden Postkarten gestalten.

Aber auch der Mafia-Abend mit Kimm Herlyn als Mafia-Boss Don Calzone (oder war der Name doch ein anderer?), bei dem bunt zusammengewürfelte Gruppen gegeneinander antreten müssen, sorgt dafür, dass sich bald alle im Camp miteinander wohlfühlen. Wer Anschluss sucht, findet leicht welchen.

Einen großen Anteil daran haben Tag für Tag unsere Mitarbeiter:innen, die sich mit viel Einsatz um unsere Jugendlichen kümmern. Immer haben sie ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte. Am Vor- bzw. Nachmittag bieten sie ein abwechslungsreiches Programm an und auch die Spielabende sind großartig von ihnen vorbereitet und werden mit viel Leidenschaft durchgeführt.

Und da noch Geld in der Freizeitkasse übrig war, konnten sogar Stars zum „Wetten-dass-Abend“ eingeladen werden, wie z. B. Michelle Hunziker, Herbert Grönemeyer und Justin Timberlake. Und als die Show „Bares für Rares“ läuft, gibt sich auch Horst Lichter die Ehre.

Und weil alles gut läuft, rückt das Coronavirus bald in den Hintergrund. Denn unsere Gruppe ist groß genug, dass niemand ins Nachbarcamp muss, um Abwechslung zu finden. Und weil beim Campen alles im Freien stattfindet, spielt auch die Maske nur beim Einkauf im Supermarkt eine Rolle.

Coronabedingt fällt zwar diesmal der beliebte Ausflug in eine Stadt weg, dafür ist aber der Campingplatz so groß, dass es vor Ort genug Möglichkeiten gibt, sich mal eine Pizza oder ein Eis zu holen (natürlich nur mit Maske).

Und auch die Stunde auf der riesigen Wasserhüpfburg mit Rutsche, Trampolin und Big-Swing entschädigt alle für die ausgefallene Stadttour. Ich fühle mich auf dieser „Riesenhüpfburg“ allerdings sehr alt, denn im Gegensatz zu den Jugendlichen verliere ich ständig auf dem wackeligen Untergrund den Halt und lande im Wasser. Und das „Erklettern“ der Elemente ist echt anstrengend, was zum Glück auch einige der Jugendlichen so empfinden. Dennoch toben sie alle mit einer unbändigen Energie über die verschiedenen Elemente, dass es eine Freude ist, ihnen dabei zuzuschauen. Am Ende sind dann aber auch die Fittesten der Gruppe geschafft und alle sind froh, dass wir die Wasserburg nur eine Stunde gebucht haben.

Das absolute Highlight der Freizeit ist schließlich die Bootstour, die wir trotz Corona unternehmen können, weil wir das Boot ganz für uns alleine chartern konnten.

Gemütlich starten wir unsere Tour im Hafen der Nachbarstadt Poreč. Von hier schippert uns der Kapitän zu einer der vielen kleinen Inseln vor der Küste, wo wir vom Boot aus baden dürfen. Schon der Sprung von Bord macht allen Freude und auch der Aufenthalt im kristallklaren Wasser ist großartig. Die Strömung ist allerdings ziemlich stark, so dass wir immer wieder gegen sie anschwimmen müssen, um nicht abgetrieben zu werden.

Weil wir erst am Nachmittag gestartet sind, gibt es bald nach dem erfrischenden Bad im Meer gegrillte Hähnchenbrust und Markrele für uns. Aufgrund eines Missverständnisses kommen leider unsere Vegetarier:innen an diesem Abend zu kurz. Nur Brot und Krautsalat sind doch eher ein karges Mahl.

Doch das Schwimmen im anbrechenden Sonnenuntergang entschädigt auch dafür. Und so fahren alle bei beginnender Dunkelheit glücklich und zufrieden mit dem Bus zum Campingplatz zurück.

Und wer noch Hunger hat, bekommt im Camp natürlich auch noch etwas zu Essen.

Apropos Essen. Wie immer versorgt uns Bodo Spangenberg reichlich und lecker. Es schmeckt immer fast allen köstlich … selbst Brokkoli und „Winterminestrone“ gehen weg wie warme Semmeln – wobei das Essen oft so heiß aus dem Topf in die Schalen kommt, dass zumindest diejenigen, die eine Blechschüssel dabei haben, arge Probleme bei der Mitnahme bekommen. Und weil Bodo so lecker für uns kocht, sind wir alle froh, dass er sich bei seinem Sturz im Zelt keine ernsthafte Verletzung zugezogen hat. Denn wenn die Chefeinkäufer und Aushilfen beim Austeilen (David und ich) allein hätten kochen müssen, wären am Ende alle verhungert …

Und weil alles so schön ist und rund läuft, vergehen die zehn Nächte im Zelt wie im Flug. Schneller als uns lieb ist, erleben wir bei untergehender Sonne einen berührenden Segnungsgottesdienst am Strand und dürfen dann am letzten Abend bei der ZdF-Show („Zeig deine Fähigkeiten“) zeigen, was wir persönlich drauf haben. Leider fällt das „Ballhochhalten“ den schlechten Lichtverhältnissen zum Opfer … denn wie an jedem Abend ist es mal wieder schneller als gedacht dunkel geworden. Dafür gibt es andere tolle Auf- und Vorführungen zu bestaunen.

Zurück geht es dann – nach einem langen Tag auf dem Platz ohne Zelt – wie gewohnt mit dem Bus. Am Ende sind wieder 21 Stunden vergangen bis wir wohlbehalten auf dem Parkplatz in der Knollstraße ankommen.